Portrait: Veganer, Porsche-Fahrer, Störenfried

In deutschen Supermärkten lächelt er von lebensgrossen Pappaufstellern der Laufkundschaft zu. Daneben stehen seine Produkte, darunter vegane Bolognese. Attila Hildmann hat den Olymp der Kochbuchautoren mit veganem Lifestyle erklommen.

Die erste Million hat er auch schon im Sack. Dabei ist der Deutsch-Türke und studierter Physiker erst 35 Jahre alt. Als nächstes will er Amerika mit seinen ausgefallenen Rezepten erobern. Und er hat eine Geschichte zu erzählen. Amerikanische Medien mögen herzergreifende Geschichten.

Übergewichtig und ungesund

Als er 19 Jahre alt war, hat sich sein Leben für immer verändert. An jenem schwarzen Tag ist Hildmanns Vater im Skiurlaub vor seinen Augen umgekippt – Herzinfarkt mit tödlicher Folge. Der Grund dafür sei der hohe Cholesterinspiegel gewesen. Von da an  hat sich Hildmann, damals noch ein schwabbeliger Computernerd mit teigigem Gesicht und Doppelkinn gefragt, ob er auch mal so enden wird. Während er sich durch Physikstudium quälte, fing er an hobbymässig zu kochen. Nachdem sich trotz Fleischverzicht seine Cholesterinwerte nicht besserten, verzichtete er ganz auf Milchprodukte und ernährte sich fortan rein pflanzlich. Die veganen Anfänge waren aber von dilettantischer Natur: Sojaschnitzel, Paniertes, vegane Süssigkeiten. So nimmt man nicht ab. Der schlaue Hildmann denkt um, und fängt an vollwertige Kost mit viel Gemüse zu kreieren. Er fotografiert die Rezepte und freut sich ab seiner veganen Pionierarbeit. Als er sein erstes Kochbuch herausgeben will, findet er zunächst keinen Verlag. Er leiht sich von seiner Mutter Geld und druckt seine erste Auflage. Dann schiesst sein Erstling, «Vegan for fit», auf Platz eins der Verkaufslisten.

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Hildmann am Ironman.

Hardcore-Veganer mögen ihn nicht

Hildmann geniesst das süsse Leben, dass das Starkoch-Dasein mit sich bringt. Eine Liason mit einem Model, Maisonette-Wohnung in Berlin inklusive riesiger Vorzeigeküche hat er anzubieten. Über dreissig Kilo hat er abgespeckt, macht den Iron Man, posiert als Fitness Model. Und er fährt einen Porsche. Mit Ledersitzen. Das ist den «richtigen» Veganern, die auch auf Lederprodukte verzichten ein Dort im Auge. «Bloss kein Langweiler sein», so Hildmann nonchalant. Zu prollig, zu kapitalistisch, zu laut ist er den angepassten Körnchenpickern, die mit Jesus-Sandalen rumlaufen und stur für den einzigen, richtigen Weg rein in den Veganismus missionieren. «Tu dies nicht, tu das nicht. Aber selbst hängen sie dann vor dem Computer und schreiben lange Abhandlungen auf Facebook», nervt sich Hildmann. «Jeder soll essen, was er will» sagt er und erzürnt die Hardcore-Vegan-Community.

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